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Projekt „Cherry“

15.06.2015 Rainer Hable

Unter dem Codenamen „Cherry“ (Kirsche) lief ein Verkaufsprojekt der Hypo, das den Aktionären der Bank 50 Millionen Euro an Sonderdividenden brachte und den Steuerzahlern heute 225 Millionen kostet. Was versteckt sich hinter dieser Geschichte?

2006 wurde die Hypo Consultants verkauft. Sie war ein Bereich der Hypo in dem auffällig viele problematische Kreditfälle vergraben waren. Aber nicht nur, es gab auch wertvolle Immobilien – „Kirschen“ eben. Diese Kirschen wollte man verkaufen. Davor wurden allerdings die Kreditleichen der Consultants nach Liechtenstein ausgelagert. Übrig blieb ein Kirschgarten, der in einem fragwürdigen Bieterprozess verkauft wurde. Von den zahlreichen namhaften Interessenten blieb schließlich nur noch ein Bieter übrig. Warum? Denen, die abgesprungen sind, wollte man die Bedienung auferlegen, alle Schulden der Hypo Consultants mit zu übernehmen – 225 Millionen Euro. Nie und nimmer hätte sich dieses Geschäft gerechnet. Schließlich ging die Hypo Consultants an eine fragwürdige kroatische Projektgesellschaft ohne Bonität und ohne Geschäftstätigkeit. Der Preis für diesen Kirschgarten, der von dieser Projektgesellschaft bezahlt wurde: schlappe 62 Millionen Euro.

Die Vermutung liegt nahe, dass es sich hier um einen getürkten Verkaufsprozess mit einem Gewinner aus einem Kreis von Insidern handelt. 2011 wurde dazu auch eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft übermittelt. Und was ist seither passiert? Nichts! In einem Fall wie diesem sollte längst ein Gerichtsverfahren anhängig und die Verantwortlichen hinter Gittern sein. Schläft unsere Justiz? Dieser Frage werden wir im U-Ausschuss weiter nachgehen.