Eine Chronologie zum Hypo Skandal

Seit Jahren beschäftigt das Milliardendesaster rund um die Hypo die österreichische Innenpolitik – echte Klärung der politischen Verantwortung rund um den Hypo Skandal war aber nie möglich. Das soll sich jetzt ändern: Der Untersuchungsausschuss „zur Untersuchung der politischen Verantwortung für die Vorgänge rund um die Hypo Group Alpe-Adria“ arbeitet sich seit März 2015 durch Aktenberge. Was aber steckt hinter der ehemaligen Kärntner Landesbank? Wie war ein so rasanter Aufstieg möglich? Und warum konnte sie so tief fallen?

 

Der Aufstieg der Kärntner Landesbank

Die ehemalige Landes-Hypothekenbank wurde im Jahr 1894 durch den Kärntner Landtag gegründet. Der kometenhafte Aufstieg der Landesbank begann in den 1990er Jahren. 1994 fand der Markteintritt in Slowenien und Kroatien statt. Nach 2001 weitete die Bank ihr Geschäftsfeld auf Serbien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Liechtenstein, Deutschland, Italien, Mazedonien, Bulgarien und die Ukraine aus. 2008 erreicht die Bank ihren Höchststand: Die Bilanzsumme betrug 43,3 Milliarden Euro, es gab ein Bank- und Leasinggeschäft in 12 Ländern mit 384 Geschäftsstellen und mehr als 8.100 Mitarbeiter_innen.

Der Verkauf an die Bayerische Landesbank

Auf der Suche nach frischem Kapital, um das weitere Wachstum der Bank zu garantieren, beteiligte sich Ende 2006 die die Investorengruppe „Berlin & Co Capital S.à.rl.“ als Aktionär mit 25 Prozent plus einer Aktie an der Hypo.

Im Mai 2007 steigt die Bayerische Landesbank (BayernLB) mit 1,625 Milliarden bei der Hypo ein. Sie übernimmt unter anderem sämtliche Anteile, die nur wenige Monate zuvor von Berlin & Co Capital S.à.rl. gekauft wurden. Die BayernLB ist mit ihrem Einstieg im Besitz von 50 Prozent plus einer Aktie und somit Mehrheitseigentümerin der Hypo.

Nach dem Verkauf an die BayernLB scheint die Hypo immer tiefer in die Krise zu stürzen. Nicht nur die BayernLB, sondern auch die Republik Österreich stecken Gelder in die Bank, um ihr Weiterleben zu sichern. Im Dezember 2008 hat der Bund auf Grundlage des Bankenrettungspakets ein Partizipationskapital in der Höhe von 900 Millionen Euro sowie Liquiditätsgarantien in Höhe von 1,35 Milliarden Euro für Anleiheemissionen zur Verfügung gestellt. Im Sommer 2009 wurde die Notwendigkeit neues Geld in die Bank zu pumpen erneut unabkömmlich. Allerdings war die BayernLB dazu nicht mehr bereit und fasst den Beschluss, die Bank wieder los zu werden.

Notverstaatlichung ohne Not?

Die BayernLB drohte Ende 2009 die Hypo in die Insolvenz zu schicken. Eine Insolvenz hätte für das Land Kärnten aber bedeutet, dass die Landeshaftungen schlagend werden. Das war zumindest die Argumentation derer, die für Österreich am Verhandlungstisch mit den Bayern saßen. Das Risiko erschien zu hoch, also übernahm die Republik Österreich die Anteile der Bayern, um genau diese Insolvenz zu vermeiden. Dass für die BayernLB eine Insolvenz ebenso untragbar gewesen wäre wie für die Republik Österreich, spielte scheinbar für Österreichs Verhandlungsposition keine Rolle bzw. war niemandem bewusst. Schlussendlich kaufte die Republik die gesamte Bank um einen symbolischen Euro und ist seit 14. Dezember 2009 Alleineigentümerin.